27.02.2019

Fahrt ins Blaue: Der IW-Jahresempfang

Ziel: Mit Kölsch Staat machen

Mittlerweile traditionell richtet das IW seinen Jahresempfang in Berlin am Vorabend von Weiberfastnacht aus. Damit hisst das Kölner Institut seine rheinische Flagge in der Hauptstadt. Begleitet wird die Veranstaltung – als Vorbote der „Fünften Jahreszeit“ – von einem nicht vollkommen ernst gemeinten wissenschaftlichen Programm. Nachdem in den vergangenen Jahren IW-Direktor Michael Hüther unter anderem einen Vortrag zur Ökonomie des Karnevals gehalten oder gemeinsam mit dem Chefvolkswirt der DEKA-Bank Uli Kater als „Zwei Ökonomen unter sich“ auf dem blauen IW-Sofa Platz genommen hatte, oblag  es in diesem Jahr Knut Bergmann, für angemessene Erhellung und Erheiterung zu sorgen.

Nach einer „krawattenlosen Begrüßung“ durch Hüther widmete sich der Leiter des Hauptstadtbüros der Frage, ob sich mit Kölsch Staat machen lässt. Als Grundlage von Bergmanns Vortrag diente dessen im Herbst im Insel-Verlag erschienenes Buch „Mit Wein Staat machen“, in dem der ehemalige Präsidialamtsmitarbeiter die Geschichte der Bundesrepublik Deutschland anhand von Staatszeremoniell und Staatsbanketten aufarbeitet.

 

Mit Kölsch lässt sich nur Stadt machen

Bergmann sah sich mit der Herausforderung konfrontiert, dass „generell Hürden bei der Übertragung bestehen. Beim Wein kann man sich beispielsweise angucken, ob es einen Zusammenhang der Jahrgangsgüte mit der Zufriedenheit mit der Regierung gibt – beim Bier funktioniert das mangels Jahrgängen nicht“. Das sei angesichts der Unzufriedenheit nicht allein mit der Wirtschaftspolitik der Bundesregierung jedoch vielleicht auch besser so, denn Otto von Bismarck habe einmal gesagt: „Es ist ein Grundbedürfnis der Deutschen, beim Biere schlecht über die Regierung zu reden.“ Am Ende lautete die für Kölner ernüchternde Antwort auf die eingangs gestellte Frage: Mit Wein lässt sich Staat machen, mit Kölsch hingegen nur Stadt. Kölsch ist eine zu regionale Angelegenheit, als dass es sich über die Stadtgrenzen hinaus polit-symbolisch nutzen ließe.

Gereicht wurde den knapp 300 Gästen stilecht Bier aus der Brauerei zur Malzmühle, das – nach einem Besuch des damaligen US-Präsidenten Bill Clinton im Zuge des Kölner G-8-Gipfels 1999 – als einziges Kölsch das Prädikat „staatsprotokollarisch wertvoll“ verdient. Der Stimmung nach redeten die gutgelaunten Gäste dann bis spät in den Abend auch über heiterere Themen als nur schlecht über die Regierung.

 

Koordinaten
2°31′19.0″N 13°22′46.4″E
(Vertretung des Landes
Sachsen-Anhalt
beim Bund, Berlin)

 

Crew
Michael Hüther,
IW-Direktor

Knut Bergmann,
Leiter IW-Hauptstadtbüro


Schiffs|tau|fe, die
zeremonieller Akt, bei dem
ein Schiff vor dem Stapellauf
seinen Namen erhält.
In den meisten Regionen
der Welt damit verbunden,
dass eine Flasche eines
alkoholischen Getränks am
Bug zerschellt, meist ein
Schaumwein. In Schottland
wird stattdessen Whisky genutzt,
in der muslimischen Welt Wasser
aus dem Brunnen im Hof der großen
Moschee von Mekka. Zu Zeiten
der Prohibition in den USA
soll behelfsweise Coca-Cola
verwendet worden sein.
Kölsch spielt offenbar auch
in diesem Zeremoniell keine
Rolle, obwohl es durchaus
wasserverwandt ist.