Michael Grömling; Foto: Roth

Hochkonjunktur

Phase, in der die Produktionskapazitäten hoch ausgelastet sind. Zugleich ist der Arbeitsmarkt fast leergefegt, Exporte und Einkommen steigen, ebenso die Konsumausgaben. Erlebt Deutschland derzeit. Ist nicht ohne Risiken.

Woher kommt die Hochkonjunktur in Deutschland, wie lange bleibt sie – und wann könnte sie gehen? Drei Fragen an Michael Grömling (G), Leiter der IW-Forschungsgruppe Gesamtwirtschaftliche Analysen und Konjunktur.

Wie kommt es zur Hochkonjunktur in Deutschland?

Es gibt mehrere Gründe. Zum einen erleben wir seit Mitte 2005 einen enormen Beschäftigungsaufbau. Mehrere Millionen Menschen haben Arbeit gefunden, in erster Linie im Dienstleistungssektor, aber auch in der Industrie. Zum anderen entwickeln sich die Einkommen günstig. Das wiederum hat positive Auswirkungen auf den
privaten Konsum, der immerhin die Hälfte des Bruttoinlandsprodukts in Deutschland ausmacht. Und obwohl die Weltwirtschaft immer mal wieder globale Krisen erfahren musste, bleibt Deutschland auf Wachstumskurs. Die Produkte deutscher Unternehmen behaupten sich sehr gut auf den Weltmärkten. Vor allem sind Investitionsgüter sehr gefragt. In diesem Sektor ist Deutschland traditionell einfach stark.

Welche Gefahren lauern?

Deutschland ist eine der offensten Volkswirtschaften der Welt. Die deutsche Wirtschaft ist hochgradig in die internationale Arbeitsteilung eingebunden. Wir exportieren nicht nur viel, sondern wir importieren auch in großem Umfang. Das macht uns anfällig für globale konjunkturelle Wechsellagen. Derzeit beschäftigen uns einige Unsicherheiten: Die USA versuchen, Sand in das globale Handelsgetriebe zu streuen. Dieser Protektionismus schwebt drohend über unserer Exportwirtschaft. Und wie die Brexit-Verhandlungen ausgehen werden, ist noch genauso unklar wie die zukünftigen Handelsbeziehungen zu Ländern wie der Türkei, Russland oder China.

Wie lange kann diese Hochkonjunktur anhalten?

Derzeit sieht noch alles gut aus. Wir sind mit Schwung ins Jahr 2018 gerutscht. Wenn alles so bleibt wie es ist und es zu keinem Handelskonflikt oder zu Finanzmarktturbulenzen kommt, sind wir auch für 2019 sehr zuversichtlich. Wir spielen aber auch das Szenario durch, dass sich die Konflikte zuspitzen, und großen Einfluss auf die Weltwirtschaft haben. Dazu gehören natürlich die Strafzölle, mit denen die USA nicht nur der EU drohen. Wenn das Realität wird, werden wir in Deutschland deutliche Abstriche machen müssen. Aber auch davon abgesehen gilt: Die Wachstumsraten bleiben hierzulande derzeit begrenzt durch den Fachkräfteengpass.

Häu|ser|markt
Sichtbarste Boombranche. Die Bauwirtschaft erzielt besonders hohe Wachstumsraten, was auch an der günstigen Einkommens- und Beschäftigungsentwicklung liegt. Wie sich die Immobilienwirtschaft entwickelt, bildet das IW regelmäßig im Immobilien-Index ab.

Han|dels|krieg
Drohender Konflikt zwischen den größten Volkswirtschaften der Welt, China und den USA. Provozieren einander mit Strafzöllen. US-Präsident Donald Trump hat zunächst Strafzölle auf Stahl und Aluminium eingeführt, China reagierte und belegte etliche US-Produkte mit einer zusätzlichen Abgabe, woraufhin Trump eine Erweiterung der US-Strafzölle ankündigte. Ein Handelskrieg würde die gesamte Weltwirtschaft treffen.

Hand|werk
Boomt in der Hochkonjunktur ebenfalls, angetrieben etwa durch die Entwicklung am ⇒ Häusermarkt. Das Handwerk setzte im vergangenen Jahr rund 580 Milliarden Euro um. Viele Handwerksbetriebe sind ausgelastet und können Aufträge nicht mehr annehmen.