Die Ökonomen des IW Köln haben auch im abgelaufenen Jahr mit ihrer Expertise viel zu wissenschaftlichen, politischen und öffentlichen Diskussionen beigetragen. Die Highlights in der Übersicht.


KF Berufliche Qualifizierung und Fachkräfte

Kompetenzfeldleiter Dirk Werner
Kompetenzfeldleiter Dirk Werner mit der Behindertenbeauftragten der Bundesregierung Verena Bentele (M.) und BMWi-Staatssekretärin Iris Gleicke bei der BMWi-Veranstaltung „Wege zu mehr Inklusion in der Berufsausbildung“ im Februar 2017 in Berlin. Foto: BMWi

Ein Highlight im Kompetenzfeld war die Verlängerung des Kompetenzzentrums Fachkräftesicherung (www.kofa.de) um weitere drei Jahre. Als Best Practice präsentiert wurde das BQ-Portal, ein vom Bundeswirtschaftsministerium gefördertes Informationsportal für ausländische Berufsqualifikationen, auf Konferenzen in Eindhoven, Brüssel und Ankara. Das 61. Bildungspolitische Treffen fand im Juni 2016 zum Thema „Migration und Integration“ im IW Köln statt. Um die berufliche Bildung in Europa zu stärken, ist das Kompetenzfeld im August 2016 dem Netzwerk „European Alliance for Apprenticeships“ beigetreten. Studien zur Inklusion von Menschen mit Behinderung in die betriebliche Ausbildung haben das Potenzial der Zielgruppe für Unternehmen verdeutlicht. Zu diesem Thema gab es zudem eine Sozialpartnerveranstaltung mit BMWi-Staatssekretärin Iris Gleicke und der Beauftragten der Bundesregierung für die Belange von Menschen mit Behinderung Verena Bentele (siehe Foto). Ein weiterer Höhepunkt war ein Vortrag im September 2016 bei einer Veranstaltung zur Integration von Flüchtlingen mit dem damaligen Bundespräsidenten Joachim Gauck.

KF Arbeitsmarkt und Arbeitswelt

Das Kompetenzfeld hat den Dialogprozess und die Veröffentlichung des Weißbuchs „Arbeiten 4.0“ des Bundesarbeitsministeriums durch zahlreiche Forschungsarbeiten begleitet. Zudem wurden auf Vorträgen und Podien die potenziellen Auswirkungen der Digitalisierung auf Beschäftigungsperspektiven und Arbeitsbedingungen vorgestellt und bewertet. Mit der inzwischen sechsten Auflage des Unternehmensmonitors Familienfreundlichkeit dokumentierten die Wissenschaftler das breite Engagement der Wirtschaft bei der Förderung der Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Mit einer Auftaktveranstaltung im Institut erfolgte der offizielle Startschuss für das Projekt ZEITREICH im Rahmen der vom Bundesarbeitsministerium geförderten Initiative „Neue Qualität der Arbeit“. Im Verbund mit mehreren Partnern werden auf betrieblicher Ebene Wege und Instrumente erprobt, wie konkrete Ursachen für Zeitkonflikte im Betrieb identifiziert und sozialpartnerschaftlich gelöst werden können.

KF Bildung, Zuwanderung und Innovation

Die Wissenschaftler im Kompetenzfeld haben für Mitglieder, Verbände, Ministerien (BMWi, BMBF, BMFSFJ), Stiftungen und zusammen mit Bildungswerken der Wirtschaft zahlreiche Studien und Gutachten erstellt sowie Umsetzungsprojekte durchgeführt. Die Spanne der Themen reichte von Alphabetisierung und Grundbildung, Bildungsgerechtigkeit, Bildungsmonitoring, Bildungscontrolling, Bildungsinvestitionen der Wirtschaft, Studierende im Ausland über Familienzeitpolitik, MINT und Ingenieure bis hin zur Zuwanderung und der regionalen Verteilung von Flüchtlingen. Das KF hat in den Arbeitsgruppen der Demografiestrategie der Bundesregierung zur Zuwanderung und inländischen Fachkräftesicherung mitgearbeitet und an mehreren Landtagsanhörungen teilgenommen. Im Rahmen der Internationalisierung der Aktivitäten unterstützte das KF den Europäischen Wirtschafts- und Sozialausschuss (EWSA) in Brüssel und beteiligte sich an einer Anhörung im Europaparlament zur Blauen Karte. Im Rahmen der Digitalisierung entwickelt das KF mittels Big-Data-Analysen eine IW-Patentdatenbank zur Erstellung eines Innovationsatlas. Auf dem Portal www.make-it-in-germany.com, das das KF für das BMWi inhaltlich betreut, haben sich bislang rund 13 Millionen Besucher über Möglichkeiten der Fachkräftezuwanderung informiert; bei Twitter folgen knapp 9.000 Nutzer dem Make-it-Account. Anfang 2017 hat das KF in Bietergemeinschaft mit der IW Medien erneut die Ausschreibung für das Portal gewonnen und wird es somit bis 2019 weiterführen.

KF Öffentliche Finanzen, Soziale Sicherung, Verteilung

Bild Minister Gabriel und Judith Niehues
IW-Ökonomin Judith Niehues (2. v.l.) mit dem damaligen SPD-Chef und Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel, Prof. Marita Jacob vom Institut für Soziologie und Sozialpsychologie der Universität zu Köln (l.) sowie zwei Vertretern der Juso-Hochschulgruppe Köln. Foto: Philipp Gabriel

„Die Mitte ist stabil“ – das ist eine der zentralen Botschaften, mit denen das Kompetenzfeld im vergangenen Jahr in Publikationen, zahlreichen Vorträgen und O-Tönen sowie mithilfe eines Digital-Tools gegen den postfaktischen Mainstream argumentiert hat. Hinzu kamen diverse Podiumsdiskussionen, wie die im Dezember 2016 an der Universität zu Köln unter dem Titel „Wohin steuert die Gesellschaft? – Die Zukunft der sozialen Gerechtigkeit“, bei der Judith Niehues das IW Köln vertrat (siehe Foto). Auch beim Thema Alterssicherung ging es darum, den Glauben an einfache Antworten zu hinterfragen. Statt eines höheren Rentenniveaus auf Kosten der Jungen votieren die Wissenschaftler des KF für eine weitere Anhebung der Regelaltersgrenze. Bei der Berliner IW-Herbsttagung wurde der Blick von der Gesetzlichen Rentenversicherung hin zur Beschäftigungspolitik gelenkt. Zwei weitere Dauerbrenner wurden sowohl mit Publikationen als auch in Stellungnahmen zu einer Reihe von Landtagsanhörungen begleitet: die Reformen der Erbschaftsteuer und des Länderfinanzausgleichs.

KF Internationale Wirtschaftsordnung und Konjunktur

Das Kompetenzfeld hat eine aufwendige Methodik zur Schätzung des Potenzialwachstums erarbeitet und im Rahmen von Studien zum Effekt der Demografie auf das Wirtschaftswachstum in Deutschland angewendet. Die Reputationsleistung des KF wurde durch zahlreiche interne und externe Publikationen weiter ausgebaut. So wurden zum Thema Brexit Studien zu Wirkungen auf Großbritannien und Deutschland sowie zur Abschätzung der anstehenden Verhandlungen publiziert. Highlight war die Präsentation einer gemeinsamen Studie mit dem KF Öffentliche Finanzen, Soziale Sicherung, Verteilung zum Zusammenhang zwischen Verteilung und Wachstum bei der Jahrestagung des Vereins für Socialpolitik. Auch bei der Internationalisierung gab es weitere deutliche Fortschritte, etwa die Aufnahme in das internationale Konjunkturforschungsnetzwerk AIECE, vorläufig mit Gaststatus, sowie die Intensivierung der Kontakte zur OECD und zu wirtschaftsnahen Forschungseinrichtungen in Frankreich (COE-Rexecode) und Italien (bei Confindustria).

KF Berufliche Teilhabe und Inklusion

Bild REHADAT-Fachtagung
Eine Teilnehmerin der REHADAT-Fachtagung „Chancen und Risiken der Digitalisierung für die berufliche Teilhabe von Menschen mit Behinderung“ Anfang Juli 2016 im IW Köln. Foto: IW Medien

Das Kompetenzfeld hat sein Informationsangebot im Rahmen des Projektes REHADAT um zwei Portale erweitert – zum einen mit Informationen über Seminaranbieter, zum anderen mit Informationen zum Hilfsmittelverzeichnis der Gesetzlichen Krankenversicherung in einer barrierefreien mobilen Anwendung. Eine neue Förderfinder-App ermöglicht Arbeitgebern und Arbeitnehmern die komfortable Suche nach Fördermöglichkeiten bei der Einstellung und Ausbildung von Menschen mit Behinderung. Das Lexikon zur beruflichen Teilhabe ergänzt die App. Zum Thema „Chancen und Risiken der Digitalisierung für die berufliche Teilhabe von Menschen mit Behinderung“ fand eine gut besuchte Fachtagung statt. Auf dem Weltkongress „Rehabilitation International“ im Oktober 2016 in Edinburgh war das Kompetenzfeld mit einem Redebeitrag vertreten.

KF Tarifpolitik und Arbeitsbeziehungen

Das Kompetenzfeld hat im September 2016 im Rahmen des 11. Europakongresses der International Labour and Employment Relations Association (ILERA) in Mailand unter dem Motto „The Future of Representation“ mit dem Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Institut (WSI) einen Workshop zum Thema „Recent Trends in German Industrial Relations“ durchgeführt. Außerdem wurde im Herbst eine Kooperationsvereinbarung zwischen Gesamtmetall und dem IW Köln getroffen, welche die Einrichtung einer Forschungsstelle Tarifautonomie bis zum Jahr 2020 vorsieht. Die neue Forschungsstelle hat die Aufgabe, die Determinanten der Flächentarifbindung in Deutschland empirisch zu untersuchen und die Funktionsweise der Tarifautonomie historisch, ökonomisch und international vergleichend zu analysieren. Im Januar 2017 nahm KF-Leiter Hagen Lesch als beratendes Mitglied der Delegation der Bundesregierung an der öffentlichen Anhörung des Bundesverfassungsgerichts zu den Klagen gegen das Tarifeinheitsgesetz in Karlsruhe teil. Ein weiterer Höhepunkt war die Beratung das Hauptverbands Papier- und Kunststoffverarbeitung e. V. in der Tarifrunde. Besondere Medienresonanz erzielte eine kompetenzfeldübergreifende Analyse zur regionalen Armutsentwicklung in Deutschland.

KF Strukturwandel und Wettbewerb

Das Thema Sharing Economy und Online-Plattformen hat das Kompetenzfeld unter anderem durch eine Studie für das Wirtschaftsministerium in NRW, eine Beteiligung an der Konsultation zum Grünbuch Digitale Plattformen des Bundeswirtschaftsministeriums sowie Publikationen, Vorträge und Podien weiter begleitet. Besonderes Highlight war die Vorstellung eines Papers zum Thema Datenportabilität in einem internen Workshop mit Google, an dem Unternehmens-Chefökonom Hal Varian teilnahm. In einer IW-Analyse zu Digitalisierung und Mittelstand wurden anhand von 46 Studien der Status quo sowie die Hemmnisse und Vorteile der Digitalisierung für Unternehmen erfasst. Ein weiteres wichtiges Thema war die Nutzung von Big-Data-Analysen im IW Köln. Dazu hat das Team zwei Workshops mit externen Wissenschaftlern und Unternehmensvertretern organisiert. Die strukturpolitische Dimension der Arbeit des KF wurde zum einen durch eine kompetenzfeldübergreifende Studie zur regionalen Armut und zum anderen durch eine Analyse zur europäischen Mittelstandspolitik betont.

KF Umwelt, Energie und Infrastruktur

Das Kompetenzfeld hat Studien zum Erneuerbare-Energien-Gesetz, zum globalen Klimaschutz und zur Kreislaufwirtschaft erarbeitet. In einem Gutachten zur Beteiligung Privater an der Infrastrukturfinanzierung wurden die Vor- und Nachteile öffentlicher und privater Bereitstellung diskutiert. Die Untersuchung zum Fachkräftemangel bei Planungsingenieuren hat die Fachzeitschrift „Internationales Verkehrswesen“ publiziert. Die Forscher im Kompetenzfeld haben ihre Ergebnisse bei zahlreichen Veranstaltungen vorgestellt, etwa bei der Europäischen Kommission, bei der Friedrich-Ebert-Stiftung und bei der Friedrich-Naumann-Stiftung, und einen gemeinsamen Workshop mit der Heinrich-Böll-Stiftung organisiert. Ein Highlight war zudem die Sachverständigenanhörung im Bundestag zum Thema Energiewende, zu der eine IW-Ökonomin geladen war.

KF Verhaltensökonomik und Wirtschaftsethik

Bild Roman Herzog Institut
Im März 2017 hat das Roman Herzog Institut in München sein 15-jähriges Bestehen gefeiert. Dabei wurde auch des wenige Wochen zuvor verstorbenen ehemaligen Bundespräsidenten gedacht. Foto: Roman Herzog Institut

Das Kompetenzfeld arbeitet auf Projektbasis bereits seit 15 Jahren erfolgreich mit dem Roman Herzog Institut zusammen. Die Jubiläumsveranstaltung am 22. März 2017 in München stand dabei ganz im Zeichen der Erinnerung an den am 10. Januar 2017 verstorbenen Namensgeber und Bundespräsidenten a. D. Roman Herzog. Außerdem standen die Themen „Bedingungsloses Grundeinkommen“, „Gemeinwohlökonomie“, „Generation Y“ und „Die Flüchtlingsdebatte – Eine Analyse aus wirtschaftsethischer Perspektive“ auf der Agenda. Eine IW-Analyse präsentierte verhaltensökonomisch fundierte Vorschläge für einen modernen Verbraucherschutz. Das Team befasste sich überdies mit verhaltensökonomischen Gründen für den zunehmenden Populismus in den USA und Europa und der Frage, wie integres Wirtschaften bei Führungskräften gefördert werden kann.

KF Finanzmärkte und Immobilienmärkte

Bild FDP-Fraktionsvorsitzendenkonferenz
IW-Immobilienexperte und -Kompetenzfeldleiter Michael Voigtländer (l.) bei der Vorstellung einer Studie für die FDP-Fraktionsvorsitzendenkonferenz. Mit dabei: FDP-Chef Christian Lindner, Kai Warnecke, Präsident von Haus & Grund Deutschland, sowie der FDP-Fraktionsvorsitzende im niedersächsischen Landtag Christian Dürr (v.r.). Foto: FDP-Fraktionsvorsitzendenkonferenz

Die Studien des Kompetenzfelds konnten im vergangenen Jahr eine überragende Resonanz in den Medien verzeichnen. Über den Mietpreisindex für studentisches Wohnen haben alle großen überregionalen Zeitungen berichtet, die Studie zu Wohnkosten schaffte es sogar als Aufmacher auf die erste Seite der BILD-Zeitung. Die Demografieprognosen erfuhren nicht nur eine breite Medienresonanz, sondern haben genauso die Fachdiskussionen geprägt. Auch politisch war das Kompetenzfeld sehr gefragt: Diskutiert wurde unter anderem mit Grünen-Fraktionschefin Katrin Göring-Eckardt, dem FDP-Vorsitzenden Christian Lindner und dem Ministerpräsidenten der deutschsprachigen Gemeinschaft Belgiens Oliver Paasch. Zudem ist die Weiterentwicklung des IW-Demografiemodells in die Demografiebilanz der Bundesregierung eingeflossen.