Zahlreiche IW-Ökonomen sind inzwischen bei Twitter aktiv. Im Makronom-Twitter-Ranking der einflussreichsten Ökonomen liegt das IW Köln an der Spitze der Teamwertung.

„Vorstandsgehälter sind die Sache des Aufsichtsrats“, überschrieb die Frankfurter Allgemeine Zeitung im Februar ein Interview mit Michael Hüther. Die Grundlage für das Gespräch bildete drei Tage zuvor ein Tweet: „Wer #Vorstandsgehälter begrenzen will, missachtet die #Vertragsfreiheit, sorgt für #Willkür & Planwirtschaft“, twitterte der IW-Direktor (@michael_huether) – und wurde darauf von Carsten Knop, dem verantwortlichen Redakteur für die Unternehmensberichterstattung der FAZ, angesprochen. Es war nicht das erste Mal, dass ein Tweet von Hüther in den klassischen Medien aufgegriffen wurde. Dabei ist er noch gar nicht lange dabei. Erst im August 2016, kurz bevor er seine Gastprofessur in Stanford antrat, fing Hüther an, aktiv zu twittern.

„Erreichen insbesondere Multiplikatoren“

In der Kommunikation des IW Köln spielen soziale Medien – insbesondere Twitter – eine zunehmend wichtige Rolle. Über den offiziellen Kanal @iw_koeln hat das Institut seit Oktober 2009 rund 8.000 Tweets abgesetzt und damit mehr als 6.000 Follower angelockt. „Über Twitter erreichen wir insbesondere Multiplikatoren aus Politik, Wirtschaft und Medien“, sagt Johannes Christ, Online-Redakteur am IW Köln. Im Twitter-Ranking des Online- Wirtschaftsmagazins Makronom, das den Einfluss der Twitter-Accounts von Ökonomen misst, liegt das IW in der Teamwertung der einflussreichsten Ökonomen punktgleich mit dem DIW und der INSM an der Spitze. „Viele unserer Follower haben selbst eine große Reichweite in den sozialen Medien, was unseren Tweets häufig weitere Aufmerksamkeit verschafft.“

Besonders gut gelingt das laut Christ mit Grafiken, die wirtschaftliche Zusammenhänge anschaulich darstellen, zum Beispiel zur Entwicklung der Mittelschicht, zu Müllgebühren oder zur Zuwanderung.

Bislang dient Twitter dem Institut hauptsächlich als zusätzlicher Outputkanal, über den Studien, Pressemitteilungen, Nachrichten oder Gastbeiträge aus dem Haus kommuniziert werden. Gibt es eine englische Version der Publikationen, geschieht dies auch über den internationalen Account @iw_institute. Außerdem verbreitet die Online-Redaktion prominente Erwähnungen von IW-Experten in den Medien über Twitter weiter und retweetet deren Nachrichten.

Information und Diskussion

Wo möglich, beteiligt sich das IW darüber hinaus an wirtschaftspolitischen Debatten und Diskussionen, die einen Bezug zur Arbeit des Instituts haben. „Leider können wir nicht auf jede Diskussion und jeden Kommentar eingehen, das fällt den Wissenschaftlern mit ihren persönlichen Accounts im Zweifel leichter. Allein schon dadurch, dass sie ein tieferes Verständnis von ihren Themen haben“, so Christ. Sie können schneller reagieren – und auch mal deutlicher formulieren.

So wie Geschäftsführer Hubertus Bardt (@H_Bardt) gegenüber Beatrix von Storch. Die AfDPolitikerin hatte einen FAZ-Artikel über eine IW-Studie über die Anhängerschaft der AfD als Beleg dafür angeführt, dass diese „die Partei der politischen Vernunft aus der Mitte der Gesellschaft“ sei. Bardt reagierte unmissverständlich:

Das Manager Magazin vermeldete danach: „IW Köln wehrt sich gegen AfD-Stalking.“

In der Regel geht es allerdings um reine Fachthemen – beispielsweise um die Digitalisierung, wie bei Barbara Engels (@BarEngels). Sie twittert fast täglich zur Industrie 4.0, Cybersicherheit und Big Data – den Dingen, mit denen sie sich unter anderem im Kompetenzfeld Industrieökonomik und Wettbewerb beschäftigt. „Für mich ist Twitter ein ideales Medium, um als Expertin sichtbar zu werden“, sagt sie.

Ihrem Account folgen Unternehmen, Journalisten und andere Experten aus dem Bereich der Digitalen Transformation. Seitdem sie Sascha Lobo auf einer gemeinsamen Podiumsdiskussion kennengelernt hat, gehört auch er dazu. Der Blogger und Autor kann seinen mehr als 500.000 Followern durchaus als Vorbild in puncto soziale Medien dienen.

„Möglichkeit, das eigene Profil zu schärfen“

In solche Dimensionen ist Engels noch nicht vorgestoßen – dennoch macht sich der Netzwerkeffekt von Twitter bemerkbar: „Inzwischen werde ich über Twitter sogar für Vorträge angefragt – etwa zu einer Konferenz in Brüssel, bei der es um Datenportabilität ging.“ In der Einzelwertung des Makronom-Twitter-Rankings liegt Engels auf Platz 85.

Vier Ränge vor ihr auf der Liste der einflussreichsten twitternden Ökonomen rangiert Markus Demary. Der Finanzmarktexperte ist einer der aktivsten Twitter-Nutzer am IW Köln. Seit seiner Anmeldung vor anderthalb Jahren hat @DemaryMarkus mehr als 2.000 Kurznachrichten zu geldpolitischen Themen abgesetzt. „Auf diesem Weg erreiche ich Leute, die ich über die klassischen Kommunikationskanäle nicht erreiche – zum Beispiel Vertreter von Unternehmen und Institutionen oder Blogger“, sagt er.

Mehr als 500 Nutzer folgen seinem Account mittlerweile, was angesichts der sehr spezifischen Themen wirklich viel ist. Beinahe ebenso vielen folgt Demary selbst: „Dadurch komme ich schneller an Informationen aus der Finanzmarkt-Community und kann mich in Diskussionen positionieren.“ Nicht zuletzt deshalb wirbt Online-Redakteur Christ bei anderen IW-Ökonomen, Twitter zu nutzen: „Für Wissenschaftler ist das eine sehr gute und niedrigschwellige Möglichkeit, das eigene Profil zu schärfen.“