Hochmoderne M+E-Info-Trucks begeistern Jugendliche für die Berufsbilder der Metall- und Elektroindustrie. Seit fast 30 Jahren verantwortet die IW Medien diese mobile Berufsinformation des Arbeitgeberverbands Gesamtmetall.

Großer Auftritt für eine große Branche: Hochmoderne M+E-Info-Trucks fahren quer durch die Republik und begeistern Jugendliche für die Berufsbilder der Metall- und Elektroindustrie. Seit fast 30 Jahren verantwortet die IW Medien diese mobile Berufsinformation des Arbeitgeberverbands Gesamtmetall. Die Anforderungen an Nachwuchswerbung sind seitdem stetig gestiegen.

Info-Truck Fachkräfte
Die neue Dimension der Berufsinformation: einer der M+E-InfoTrucks auf dem Hof der Gemeinschaftshauptschule Hückelhoven. Foto: IW Medien

Vor der Glasfront des Trucks schickt die Sonne ihre ersten Strahlen auf den Schulhof der Gemeinschaftshauptschule in Hückelhoven nördlich von Aachen. Hier drinnen, zwischen CNC-Fräsmaschine, Stromsteckleiste, Mini-Aufzuganlage und -Montagelinie, schickt Bretthauer die 20 Schülerinnen und Schüler auf eine kleine Zeitreise. „Stellt euch ihn hier mal in zehn Jahren vor“, sagt der M+E-InfoTruck-Berater und zeigt auf einen von Deryas Mitschülern. „Wir beobachten ihn beim Aufstehen. Er liegt im Bett und denkt an den Arbeitstag, der vor ihm liegt. Und jetzt überlegt euch mal, was ein Beruf euch bringen muss, damit ihr aus dem Bett kommt.“ „Spaß“ rufen einige, „Geld“ ein anderer. Ein paar lachen. Dann testen sie mithilfe von Bretthauer und seiner Kollegin Dilan Folisi an den Maschinen- und Anlagenexponaten, worum es in den Berufen der Metall- und Elektroindustrie vor allem geht: um Spaß am und Talent im Umgang mit innovativer Technik.

„Kaum ein Schüler kennt diese Berufe, wenn er zum ersten Mal bei uns ist – oder weiß überhaupt, was die Metall- und Elektroindustrie ist“, sagt Dilan Folisi. Folisi und Bretthauer sind als InfoTruck-Berater Mitarbeiter der Institut der deutschen Wirtschaft Köln Medien GmbH (IW Medien). Die IW-Tochter betreibt im Auftrag des Arbeitgeberverbands Gesamtmetall diese mobile Berufsinformation für Deutschlands größten Industriezweig bereits seit fast 30 Jahren. Mittlerweile ist die dritte Fahrzeuggeneration unterwegs.

„Es sollen Bilder im Kopf entstehen“

1987 ging alles los. Damals wurden die Ausbildungsberufe reformiert. „Da wurde aus dem Maschinenschlosser dann der Industriemechaniker“, sagt Armin Skladny, Leiter des Teams M+E-InfoTrucks der IW Medien. Der neue Name, die neuen Ausbildungsinhalte und die Tatsache, dass diese sich meist in den Werkhallen und damit verborgen vor der Öffentlichkeit abspielen, seien die Gründe, warum Gesamtmetall damals bei der IW-Tochter ein umfassendes Konzept zur Nachwuchswerbung und Berufsinformation in Auftrag gab. Wolfgang Gollub, Leiter Nachwuchssicherung bei Gesamtmetall, erklärt, mit welchem Anspruch der Verband dabei antritt: „Es sollen Bilder im Kopf entstehen, die die jungen Menschen dazu anregen, sich im Rahmen ihrer Berufswahlentscheidung mit den M+E-Berufen zu beschäftigen.“

Im Inneren des InfoTrucks

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Gesamtmetall habe damals eine flächendeckende Berufsinformation mit einheitlich hoher Qualität und modernen Medien angestrebt. „Die gab es an den Schulen nicht; also mussten wir sie mobil dabeihaben.“ Die IW Medien hat alle Dienstleistungen für Bau und Betrieb der drei Fahrzeuggenerationen gebündelt angeboten und umgesetzt. „Das hat den großen Vorteil, das Gesamtmetall einen Ansprechpartner für alle Aspekte dieses komplexen Projektes hatte und hat. Über die fast 30 Jahre hat sich ein sehr effizienter gemeinsamer Arbeitsprozess entwickelt, der von gegenseitigem Vertrauen getragen wird“, lobt Gollub.

„Über die fast 30 Jahre hat sich ein sehr effizienter gemeinsamer Arbeitsprozess entwickelt, der von gegenseitigem Vertrauen getragen wird.“
Wolfgang Gollub, Gesamtmetall

Als Skladny 1996 bei der IW Medien anfing, fuhren bereits neun Infobusse quer durch die Republik zu Schulen und Berufsinformationsmessen. „Die mobile Berufsinformation in diesem Umfang und in dieser Qualität ist eine echte Erfindung unseres Hauses“, sagt Skladny. Er übernahm die Einsatzkoordination der zweiten Fahrzeuggeneration: Gelenkbusse, die die vorher eingesetzten technisch veralteten Infobusse ablösten. Von 2014 an ging mit den M+E-InfoTrucks die dritte Auflage mobiler Berufsinformation an den Start. „Eines war von Anfang an klar“, erklärt Skladny: „Der Truck musste eine zweite Etage haben. Aus Sicht der Schulen, damit anders als vorher eine Klasse komplett reinpasst, und aus Sicht der Unternehmen, die sich Raum zur Selbstdarstellung und Nachwuchswerbung wünschten.“

Konzipiert wurden die Trucks von Arbeitskreisen, denen neben Skladny Wolfgang Gollub, seit 1989 Abteilungsleiter Nachwuchssicherung bei Gesamtmetall, Kerstin Bachmann, Geschäftsfeldleiterin in der IW Medien und seit 1988 Leiterin der gesamten M+E-Nachwuchskampagne, mit dem InfoMobil vertraute Pädagogen sowie Ausbildungsleiter aus M+E-Betrieben angehörten. Dazu kamen die Hersteller der InfoTrucks und der technischen Exponate für die Innenausstattung.

Welche Ideen schließlich ins Konzept eingeflossen sind, zeigt sich in Hückelhoven: Im Obergeschoss des Trucks spielt Bretthauer mit einer Hälfte der 8a die Produktionsabläufe bei einem Automobilhersteller durch – an einem mehrere Quadratmeter großen Touchtable, der einerseits seinen didaktischen Zweck erfüllt, andererseits Symbol für die zunehmende Digitalisierung der Werkhallen und die technischen Fähigkeiten ist, die dort immer stärker gefragt sind. Im Untergeschoss steht seine Kollegin Folisi mit den Schülern Angelo, Daniel und Momme derweil an einem Klassiker des M+E-Maschinenparks, einer CNC-Fräse. „Was glaubt ihr, was man mit dieser Maschine alles herstellen kann?“ „Felgen?“, fragt Angelo. „Felgen werden mit einer anderen Maschine bearbeitet. Aber kennt ihr Lindt, Lindt-Schokolade? Die sitzen hier ganz in der Nähe in Aachen und suchen gerade Werkzeugmechaniker. Und was glaubt ihr, was die mit so einer Maschine aus der Metall- und Elektroindustrie hier machen?“ Fragende Blicke. „Jetzt war doch Ostern, da muss die Schokolade in eine Form gegossen werden“, sagt Folisi. „Die Maschine macht die Form“, sagt Momme – womit er recht hat.

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Dann tippt Angelo Koordinaten ins Bedienfeld der CNC-Fräsmaschine und sie beginnt, ein Herz aus einem Metallstück zu arbeiten. Technikbegeisterung ist in der Jungengruppe offenbar vorhanden. „Ich will Automechatroniker werden“, sagt denn auch Angelo. „Ich hab auch schon mal mit so was gearbeitet.“ Daniel dagegen möchte Polizist werden, Momme ist noch unentschlossen. Aber „irgendwas mit Metall“ kann er sich schon vorstellen.

Gut strukturierte Angebote sind zentral für Berufsorientierung

Klar umrissene Aufgaben wie jene mit der Fräse braucht es, um Interessen und Talente zu erkennen. Denn der Berufsfindungsprozess ist zu einer komplexen Angelegenheit geworden. „Schülerinnen und Schüler, Eltern und Lehrkräfte hatten noch nie so viele Informationen zur Berufsberatung und -findung zur Verfügung wie heute“, sagt Gesamtmetall-Nachwuchsfachmann Gollub. „Das führt oft eher zu einer Überforderung, als zu einer qualifizierteren Beratung und Entscheidungsfindung.“ Umso mehr komme es darauf an, überschaubare und gut strukturierte Angebote zu haben.

In die Berufsinformation hat Gesamtmetall schon investiert, als die Informationsangebote noch überschaubarer und die Themen demografischer Wandel und Fachkräftemangel nicht so akut waren wie heute. „Von vornherein war man der Auffassung, dass dieses Projekt sich vor allem langfristig auszahlen wird“, sagt Skladny. Was es tut: „Heute haben wir den großen Vorteil gegenüber anderen Akteuren, dass die Schulen unsere Arbeit schätzen. Inzwischen ist die Nachfrage sogar so groß, dass ich Interessenten immer öfter Absagen erteilen muss.“

Während die Schulen das Angebot gut annehmen, ist die Beurteilung, ob sich die M+E-Berufsinformation auch bei der eigentlichen Zielgruppe der Schülerinnen und Schüler verfängt, nicht so einfach: „Der Erfolg von Maßnahmen der Berufsinformation ist nur schwer zu messen, die Berufswahl ist ein komplexer und multifaktorieller Prozess“, sagt Gollub. Den ersten Erfolg können Folisi und Bretthauer im direkten Kontakt abschätzen: „Wenn die Schüler viele Fragen haben, merken wir, dass sie interessiert sind“, sagt Bretthauer. Manchmal gebe es auch Feedback von den Lehrern, dass drei, vier Schüler aus ihren Klassen nach der InfoTruck-Beratung und der Nachbereitung im Unterricht ein M+E-Praktikum machen wollen.

Was Jugendliche werden wollen

 

Unerschlossene Fachkräftepotenziale heben

Besonderes Augenmerk gilt bei der Nachwuchssicherung den schlummernden Potenzialen: „Aktuell sind natürlich auch die Integrationsklassen mit Flüchtlingskindern ein Thema. Ein Schwerpunkt unserer Berufsberatung aber lag von Anfang an auf Mädchen“, sagt Skladny von der IW Medien. Wolfgang Gollub beschreibt das Ziel von Gesamtmetall so: „Bei den jungen Frauen kommt es darauf an, sie neugierig zu machen und aufzuzeigen, wie viele attraktive Berufe sie links liegen lassen. Erfolg hat das aber nur, wenn das in einem mehrstufigen Prozess erfolgt, in dem weibliche Vorbilder, Firmenbesuche und ein technisches Praktikum enthalten sind.“

Derya möchte am Ende der InfoTruck-Doppelstunde immer noch „eher etwas mit kleinen Kindern“ machen. Aber immerhin, einen Beruf in Richtung Metall- und Elektroindustrie schließt sie nicht mehr aus. „Weil das ja auch Spaß gemacht hat heute.“


Prämierte Nachwuchswerbung

Foto Prämierte Nachwuchswerbung
Kerstin Bachmann, Leiterin Nachwuchswerbung & Berufsinformation, sowie Daniel Hansmann, Teamleiter Medien in Bachmanns Abteilung, mit den Urkunden für die prämierten Kampagnen. Foto: IW Medien

Die Kampagne „M+E-Berufsinformation“ ist 2016 mit dem Kommunikationspreis Fox Award in Gold ausgezeichnet worden. Seit nunmehr fast 30 Jahren wirbt die IW Medien im Auftrag des Arbeitgeberverbands Gesamtmetall für Fachkräftenachwuchs in der Metall- und Elektroindustrie – mit den InfoTrucks, aber auch mit zahlreichen Online-Auftritten und gedruckten Begleitmedien. Einen zweiten Fox Award in Gold erhielt die Nachwuchskampagne „Anders als du denkst“, die die IW Medien 2014 für das deutsche Fleischerhandwerk entwickelt hat und seitdem verantwortet: Unter www.fleischerberufe.de, in den sozialen Medien, auf Plakaten und in einem Kinospot wirbt der Deutsche Fleischerverband um Nachwuchs für seine Ausbildungsberufe Fleischer und Fleischereifachverkäufer. Beide Kampagnen überzeugten die Jury mit ihren integrierten Konzepten aus Webseite, Social-Media- und Printkommunikation: „Die Kampagnen greifen genau dort, wo die Zielgruppe ist.“